Die Ungarische Sprache - A magyar nyelv
Die Verbalvorsilben I- Az igekötők I
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Deutsche Vorsilben und ihre Macken I Deutsche Vorsilben und ihre Macken II ... und ein paar Ausführungen zu ki-Verben ... und ein paar Ausführungen zu be-Verben ... und ein paar Ausführungen zu fel-Verben ... und ein paar Ausführungen zu le-Verben I ... und ein paar Ausführungen zu le-Verben II ... und ein paar Ausführungen zu el-Verben I ... und ein paar Ausführungen zu el-Verben II ... und ein paar Ausführungen zu meg-Verben I ... und ein paar Ausführungen zu meg-Verben II |
Wenn wir im Deutschen ein bestimmtes Verb in seiner Nennform hören, verbinden wir damit beim ersten Gedanken daran meist nur eine Tätigkeit, oder bestenfalls auch zwei. Erst bei etwas Nachdenken wird mal feststellen, dass es ja eigentlich doch oft noch eine größere Menge an Bedeutungen gibt, jenachdem, wie man dieses Verb verwendet. Ich nehme mal als Beispiel das Verb gehen. Dieses kann
schlicht und einfach eine Bewegung von A nach B bedeuten. Es kann aber
auch für eine Bewegung stehen, ohne dass es dabei zu einer Änderung
des Ortes kommt. Gänzlich
ohne einen Bewegungssinn steht schließlich folgende Bedeutung: Und wenn
eine Person eine endlos lange Rede hält, ohne auf den Punkt zu kommen,
könnte folgender Einwurf eines Zuhörers am Ende der Versuch
sein, doch etwas Bewegung in die Angelegenheit zu bringen: Das Verb selber wurde stets nur gebeugt; Veränderungen ergeben sich etwa durch den Einsatz eines Reflexivpronomens ("mir gehts nicht gut") oder durch eine Präposition ("worum geht es"). Mir geht es aber in diesem Kapitel darum, wie man durch den Gebrauch von Vorsilben den Verben völlig andere Bedeutungen geben kann.
Es geht also um die Verbalvorsilben und wie diese die Bedeutung eines Verbs verändern können. Schauen wir uns dazu mal folgenden Text an, der von mir erfunden und doch aus dem Leben gegriffen wurde.
Nun, es ist
mir leider unmöglich zu sagen, wie diese Angelegenheit letzten Endes
ausging. Und dies ist keinesfalls nur ein Privileg der deutschen Sprache. Auch in vielen anderen Sprachen bewirken Vorsilben Bedeutungsänderungen eines Verbs in teilweise erheblichem Maße. So auch im Ungarischen.
Nun kann man nicht immer sagen, dass eine Vorsilbe einem Verb auch eine neue Bedeutung verschafft. Oftmals sind es zwei oder mehr, die dann auch in Aussprache und Schreibweise sich unterscheiden. "Wir werden dazu übergehen, keine Ausnahmen mehr zu machen." "Diesen einen Fehler übergehen wir einfach." Beim ersten
Satz will gesagt werden, dass in Zukunft gewisse Dinge anders gehandhabt
werden. Es gibt also eine Art Übergangsphase. Das Partizip
Präteritum enthält dann stets zwischen beiden Bestandteilen
die Silbe "-ge-":
Das Partizip
Präteritum wird in diesem Falle ohne "-ge-" gebildet.
Apropos Trennung
oder nicht: Manche Silben aber sind grundsätzlich nur in Einheit mit dem Verb zu gebrauchen: er-, ver-, zer- und miss- zum Beispiel bleiben mit dem Verb auch bei der Konjugation verbunden... ... auch
wenn umgangssprachlich schon mal das Missverständnis kursiert und
man sagt: "Ich glaube, Sie verstehen mich miss!" Für diese untrennbaren Verbindungen gilt dann auch, dass für die Bildung des Partizip Präteritums kein "-ge-" benötigt wird. Ich denke, das hat dann wohl auch niemand missverstanden!
Wie sieht diese Angelegenheit nun im Ungarischen aus? Nun ja, es gibt auch hier jede Menge Verbalvorsilben. Ich kann nur versuchen, hier einen annähernden Überblick über deren Vielfalt zu geben. Leider muss man sagen, dass sich die Bedeutungen der Silben auch immer nur ungefähr übersetzen lassen. Oftmals ist die Sichtweise im Ungarischen eine ganz andere als im Deutschen. Somit kann man eben nicht immer nach dem Baukastenprinzip vorgehen, also einfach ein Verb nehmen und die dem deutschen vermeintlich entsprechende Vorsilbe anfügen. Grundsätzlich aber haben die ungarischen Verbalvorsilben ihren deutschen Entsprechungen eins voraus: sie genießen alle einen hohen Grad an Selbstständigkeit. Jede Verbalvorsilbe kann also vom Verbstamm abgetrennt stehen. Und nicht nur das.
Aber dazu später mehr. In diesem Kapitel soll es zunächst um die wichtigsten Verbalvosilben der ungarischen Sprache gehen; sie charakterisieren vornehmlich Bewegungen, aber nicht nur.
Gleich sechs Stück sind es an der Zahl: ki-, be-, fel-, le-, el- und meg- Schön
anzusehen? Gut, dann schauen wir uns auch mal die Bedeutungen etwas näher
an.
Ein paar Beispiele dazu, die
Die deutschen Übersetzungen nach einem Apostroph sind gewissermaßen übertragenere Übersetzungen. Fürs "auswandern" ist im Ungarischen auch "kivándorol" üblich - ja, genau, das Wort wurde dem Deutschen entlehnt.
kimond steht für die tiefere inhaltliche Bedeutung von "aussprechen". Es geht dabei nicht um die korrekte Betonung eines Wortes sondern um das Wiedergeben eines Sinngehaltes; speziell im Bezug auf Gerichtsverhandlungen taucht dieses Wort oft auf. "unaussprechlich" im Sinne von "unsagbar" lautet daher auch kimondhatatlan. Die korrekte Aussprache eines Worte jedoch ist im Ungarisch kiejtés, das entsprechende Verb lautet kiejt. Im Falle von kiált muss gesagt werden, dass es kein Verb ált gibt! Gleichwohl wird es beim Konjugieren getrennt. Wahrscheinlich hat es bei diesem Verb eine ähnliche Entwicklung gegeben wie beim deutschen Verb "verlieren", dessen Herkunft sich auch gewissermaßen verliert. Wer übrigens nun meint, die berühmte Gemäldereihe "Der Schrei" von Edvard Munch hieße auf Ungarisch wohl irgendwas mit kiált, der sei eines besseren belehrt: sikoly ist im Ungarischen der passendere Begriff für den "Aufschrei". kifest meint den tatsächlichen Vorgang, Farbe auf etwas aufzubringen. Wer sich seine Fantasie ausmalen will, benutzt im Ungarischen das Verb kiszínez. Es hat eine sehr ähnliche Bedeutung wie fest, trägt aber auch noch den Gedanken von "beschönigen". Bei kigyullad muss der tiefere Sinn des ki- beachtet werden. Wenn ein Brand ausbricht, muss dieses Verb benutzt werden. Es schwebt dabei durchaus die Bedeutung mit, dass dieser Brand unbeabsichtigt entstanden ist und außer Kontrolle gerät. Zu kiír sei noch ergänzend erwähnt, dass es tatsächlich zwei entgegengesetzte Bedeutungen hat. Sowohl das Krankschreiben als auch das Gesundschreiben eines Patienten durch den Arzt wird durch dieses Verb beschrieben. Der Patient wird also gewissermaßen aus einem Status heraus in einen anderen hineingeschrieben. Die Schweizer
haben übrigens die Angewohnheit zu fragen: "Chummsch druuß?" Ich hoffe es jedenfalls, dass man aus meinen Ausführungen ein wenig das Gefühl fürs ungarische ki- herauslesen konnte.
Weiter gehts mit der Verbalvorsilbe be-. Sie ist gewissermaßen das Gegenstück zum ki-
Ja, und da geht dann auch schon die Verwirrung los; sind doch tatsächlich zwei Formen für die auf deutsch umschriebenen Sachverhalte gebräuchlich. be-
ist dabei die Urform. Als Nachsilbe kennen wir das ja schon in ähnlicher
Bedeutung: bele- dagegen leitet sich von der persönlichen Suffixform der 3.Person Einzahl ab. Es entspricht also auf deutsch eher "in ihn", "in sie" bzw."in das" oder "ins". Die große
Frage drängt sich auf: wann benützt der Ungar welche dieser
Verbalvorsilben. Grundsätzlich sind stets beide Formen möglich. Die bele-Form hat aber meist allgemeineren Charakter, während die be-Form etwas speziellere Bedeutungen umfasst. Viele Verben aber haben keine bele-Form, ich habe diese in den nachfolgenden Beispielen dann entsprechend weggelassen.
Die Unterschiede zwischen ki- und be-Formen sind manchmal ja sehr gering, etwa beim Verb fest. Eine Wand oder einen Zaun anstreichen drückt man auf ungarisch also durch befest aus. Ja, man könnte fast von "befestigen" der Farbe sprechen, aber nur fast. Sich aber das Gesicht schminken - auch ein Auftragen von Farbe - drückt der Ungar durch "kifest" aus. Na, vielleicht liegt der tiefere Gedanke darin, dass die Farbe in Wand und Zaun einziehen und möglich lange halten soll. Bei der Schminke ist das ja eher nicht die Absicht, hier will man ja etwas zum Ausdruck bringen. Im Gegensatz zum kigyullad, einem Ausbruch eines Feuers entsprechend, ist begyullad also nach innen gerichtet? Ja, genau: eine Entzündung im medizinischen Sinne. Allerdings wird dieses Verb selten mit be- verwendet. Zu beír sei noch erwähnt, dass dieses zum Beispiel auch in der Mathematik verwendet wird: ein eingeschriebener Kreis ist auf ungarisch beírt kör. Lassen Sie sich also nicht beirren.
Na dann gehts weiter: auf zum "fel-"
Also dass es zu "fel-" auf geht, darf man ruhig wortwörtlich nehmen, denn...
Wenn also ein Verb mit fel- auftaucht, gehts also in irgendeiner Hinsicht immer aufwärts, was ja in unserem Kulturkreis rein gedanklich etwas Positives darstellt - meistens jedenfalls. Schauen wir uns auch hier mal einige Aufsteiger... äh... Beispiele an:
Auch hierzu
wieder ein paar kleine Ergänzungen: feldogoz
kann auch reflexiv verwendet werden: feldogozza
magát steht für "sich hocharbeiten, sich hinaufarbeiten".
Nachdem es nun mehr oder weniger nur aufwärts ging, muss es nun auch mal abwärts gehen. Die Silbe le- ist am Zug.
le- ist also der Gegenspieler zum fel- und trägt daher auch nicht selten negative Grundtendenzen in sich. Auch dazu nun ein paar Beispiele:
lemegy
stellt wirklich nur eine Bewegung von etwas herab dar, also zum Beispiel
"die Treppe heruntergehen". Interessanterweise wird dieses Verb
auch für den Sonnen- und Monduntergang benutzt. Ein zu felkel
analoges lekel existiert nicht. Die Bedeutungsvielfalt
von lemond dagegen ist erstaunlich. Neben
der aus dem Aufbau heraus ableitbaren Bedeutung von "ab" und
"sagen" hat dieses Wort auch eine politische Bedeutung. Wenn
also mal in großen Lettern in der Zeitung stehen sollte: A
kormány lemondott!, dann ist die Regierung zurückgetreten!
Wenn nicht kormány sondern miniszter(elnők)
dastand, dann wars nur der Minister(präsident). lenéz
ist mal wieder ein einfacheres Verb. Hier stimmen die Bedeutungen sowohl
im engeren Sinne als auch im weiteren Sinne mit dem Deutschen überein.
Selbst das unter Schülern gern mal übliche "abgucken"
und "abschreiben" kann durch lenéz
und entsprechend leír übersetzt
werden.
lead
wird wohl so manchen Anglophilen an der Nase herumführen oder
an Blei denken lassen. Die Ungarn aber verstehen darunter erstmal
ein "herabgeben" oder "herabreichen". Gemeint sein
kann aber auch das "abgeben" im Sinne von "überreichen",
einen Schuss abgeben, eine Salve abfeuern. Im Falle von leró ist es schwer, die eigentliche Bedeutung zu erkennen. ró hat eigentlich die Bedeutung von "schneiden; einkerben; durchschreiten; jemandem etwas auferlegen, rügen". Aber wir kennen ja aus dem Deutschen das Sprichwort "etwas auf dem Kerbholz haben", wobei das Kerbholz eine Art Schuldenregister war. Insofern wäre leró bildlich als "abkerben" zu verstehen. Sollten Sie mal irgendwo eine wilde Mülldeponie in Ungarn finden, könnte es ja vielleicht sein, dass da in der Nähe ein Schild angebracht ist, auf welchem steht: Szemét lerakodása tilos! - Müll abladen verboten! Das ungarische
Wort szív hat auch wiederum mehrere
Bedeutungen. Einmal kann es das "Herz", es kann aber auch für
das Verb "saugen" stehen, und davon abgeleitet auch "rauchen"
bedeuten. leszív ist dann also speziell
"absaugen" oder auch "Rauch einatmen". Allerdings
gibt es auch die Redwendung leszívja magát,
welche auf deutsch sinnbildlich mit "zu tief ins Glas gucken"
übersetzt werden kann.
Und nun folgt ein Buchstabendreher. Nach le- wenden wir uns nun dem el- zu.
Für die Vorsilbe el- gilt also der Grundgedanke, dass sich etwas entfernt, verschwindet, sich dem Zugriff entzieht. Diesen Gedanken kann man aber bei weitem noch durch diverse andere deutsche Vorsilben umschreiben, als sie ein paar Zeilen weiter oben aufgeführt sind. Auch dazu nun ein paar Beispiele:
elég ist mal wieder ein Beispiel dafür, dass die ältesten Worte einer Sprache oftmals die kürzesten sind. ég bedeutet "brennen". Mit elég legt man nun den Bedeutungsgehalt darauf, dass etwas komplett in Rauch und Feuer aufgeht. Aber Vorsicht!
Nur, weil das Wort im Ungarischen sehr häufig auftaucht, heißt
das nicht, dass die Ungarn gern zündeln oder pyromanisch veranlagt
sind. elég hat nämlich noch eine
zweite, gänzlich andere Bedeutung in Form eines Eigenschaftswortes:
"genug" oder "genügend". elad
kann zwar auch als sinngemäße Übersetzung von "weggeben",
"abgeben" gebraucht werden, etwa, wenn man einen Gegenstand
nicht mehr braucht oder ein Haustier ein neues Herrchen oder Frauchen
sucht.
Wer etwas
zu billiges kauft, hat damit nicht selten Pech und kann es bald wegwerfen.
Daher sprechen die Ungarn hier von eldobható
áru = Wegwerfware. Na?
Bei elesik ist einerseits wiederum die Bedeutung des Wegfallens im Sinne von "findet nicht statt", "wird weg gelassen" gemeint. Entsprechend kann es auch die "Hinfälligkeit" von etwas bedeuten. Aber auch das simple "zu Boden fallen" kann damit gemeint sein.
Beim Verb elfelejt kommt es auf den Bedeutungsgehalt an, ob man die Vorsilbe el- nun wirklich benötigt oder nicht. Das Vergessen einer Hausaufgabe in der Schule oder eines Termins beim Arzt wird durch felejt schon genügend ausgedrückt. Wenn allerdings Fähigkeiten wie Sprachkenntnisse verlorengegangen sind, ist elfelejt angebracht.
Ein "weggreifen"
kennen wir so im Deutschen nicht. elfog wird
zum Beispiel verwendet, wenn jemand einen Brief abfängt, der für
jemand anderen gedacht ist: elfog egy levelet.
Kommen wir nun zur Vorsilbe meg-. Eigentlich
ist es ja gar nicht so schwierig, den Bedeutungsgehalt dieser Silbe zu
erfassen. Jedes Verb, das im Ungarischen mit meg-
beginnt, drückt eine vollendete Handlung aus. In den slawischen Sprachen
gibt es dafür sogar einen eigenen Aspekt für so ziemlich jedes
Verb - was jedem Deutschen, der zum Beispiel mal Russisch lernen musste,
oftmals ein Gräuel war. Das Problem in der deutschen Sprache ist, dass es für den Sinngehalt der vollendeten Handlung eben keine einheitliche Darstellungsform gibt. Oftmals aber beginnen diese Verben mit Vorsilben, die untrennbar sind.
Kommt noch
hinzu, dass es für uns Deutsche in vielen Fällen gar nicht nötig
ist, eine vollendete Handlung hervorzuheben, weshalb es für viele
deutsche Verben keine rechte Vollendungsform gibt. Muss dann doch mal
ein solcher Vollendungsgedanke hevorgehoben werden, tut man dies mit Hilfe
einer Ergänzung durch ein anderes Wort.
Stellvertretend für sie alle nun eine kleine Auswahl.
Eine wohl
oft benutzte Aufforderung ist Wer sich
mit der Ableitung des Verbes meggyőz
befasst, wird vielleicht etwas stutzen. Das ungarische Verb győz
steht für siegen, besiegen, gewinnen. Da bekommt meggyőz
ein wenig den Beigeschmack von "endgültig besiegt" im Sinne
von "den Willen gebrochen". Das hört sich nicht sehr menschlich
an.
Bei meggyógyít ist die Sache wieder sehr einfach. Während gyógyít eher für "heilen" im Sinne von "Behandeln" steht - Ausgang ungewiss -, trägt meggyógyít den Gedanken der Gesundung in sich. Wenn aber
nun keine Gesundung mehr möglich war, kommt es zum Trauerfall. So
gibt in jeder ungarisch verfassten Biographie eines Menschen, der nicht
mehr lebt, die Worte született und meghalt,
in der Bedeutung von "geboren" und "verstorben". Es
mutet schon ein wenig makaber ab, dass ausgerechnet der Todeszeitpunkt
mit dem Gedanken der Vollendung in Verbindung gebracht wird. Aber mal
ganz rationell betrachtet stimmt das ja. Umgekehrt aber wird születtet
nie mit meg- zusammen benutzt. Vielleicht
steht dahinter der Gedanke, dass der Mensch nur vollkommen auf die Welt
kommen kann, sonst wäre er nichts lebensfähig. meghal ist übrigens auch ein Wort, welches schnell mal falsch verstanden werden kann bei ungenauer Aussprache. So steht meghall für "etwas hören", "etwas venehmen". meghál wiederum bedeutet "übernachten". Und ein meghalad (vs. meghalt) steht für "übersteigen", "übertreffen". Bei meghív wird es wieder etwas schwieriger. hív steht ja eigentlich für "rufen", aber auch für "kommen lassen". Dass nun der vollkommene Ruf einer Einladung gleichkommen soll, wird da wohl erst auf den zweiten Blick klar. Übrigens auch die Berufung eines Professors auf einen Lehrstuhl wird mit "meghív" ausgedrückt. Man folgt also gewissermaßen einem Ruf. Übrigens, der Akzent auf dem í macht in diesem Falle sehr viel aus. Leider ist das den Suchmaschinen meistens nicht klar. Wer etwa bei Google einmal nach ("hív") - also mit Anführungsstrichen und einmal ohne Anführungsstriche sucht, landet im ersten Falle auf diversen ungarischen Seiten aller Coleur, im letzteren Falle auf Seiten, die sich mit dem AIDS-Virus beschäftigen.
Wie meinen
Sie? Zum Schluss
noch ein paar Ausführungen zu megjár.
jár an sich hat sehr viele Bedeutungen,
die zumeist eine ungerichtete Bewegung charakterisieren, etwa das "Gehen"
einer Uhr. Bei megjár dagegen steht
schon eine bestimmte Wegstrecke im Vordergrund, die zurückgelegt
werden soll oder wurde. Last but
not least megvan. Also die vollkommene Existenz?
Ich versuche es erst gar nicht zu erklären sondern lasse dazu ein
paar Beispiele sprechen.
Soviel erst einmal zu den wichtigsten sechs Verbalvorsilben der ungarischen Sprache. Natürlich
gibt es noch eine ganze Reihe weiterer, mit denen ich mich dann im nächsten
Kapitel beschäftigen werde.
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Autor: Andreas Kraneis
© 2003