Die Ungarische Sprache - A magyar nyelv

Der Konjunktiv - A feltételes mód

 

 

Übersicht

 

Einführungstext

 

Etwas zum Modus

Der Konjunktiv

Vor- und Nachteil der drei Modi

Der Konjunktiv Präsens

... und sein Problem

Der Konjunktiv Präteritum

... und sein Problem

Konditionalformen anstelle des Konjunktiv

Die deutschen Konditionalformen

Die Bedingungssätze im Deutschen

Ein Blick auf andere Sprachen I

Ein Blick auf andere Sprachen II

Bedingungsformen statt Konjunktiv

Ein paar Worte zu den Bedingungsformen der Gegenwart

... und zu denen der Vergangenheit

Die unbestimmten Bedingungsformen der Gegenwart

... und eine kleine Modifikation

... und eine Besonderheit der 1.Person Einzahl

Die bestimmten Bedingungsformen der Gegenwart

Unterschiede zwischen bestimmt und unbestimmt

Die Bedingungsformen der ik-Verben

... und ein kleiner Ratschlag dazu

Die Formen von jön und megy

Die -v-Stamm-Verben und ihre unbestimmten Formen

... und ihre bestimmten Formen

Die -sz-Stammverben und ihre unbestimmen Formen

... und ihre bestimmten Formen

Die unbestimmten Formen von eszik und iszik

... und ihre bestimmten Formen

Die Bedingungsformen des Verbes van

Kleiner Rekurs übers "haben" im Ungarischen

Das doppelte "hätte" im Ungarischen

... und eine Erklärung dazu

Die Formen von alszik, fekszik und nyugszik

Der Übergang zu den Formen der Vergangenheit

Über den Sinn der Vergangenheits-formen

Und so werden sie gebildet

Beispiele für die unbestimmten Formen

Beispiele für die bestimmten Formen

Der Ausnahmefall van

Die Bedingungssätze im Ungarischen: Stufe 1

Die Bedingungssätze im Ungarischen: Stufe 2

Die Bedingungssätze im Ungarischen: Stufe 3

Zwei weitere Beispiele in allen drei Stufen

Weitere Anwendungen: Wünsche

Zweifel, Ungewissheit, höfliche Bitten

Der freundliche Hinweis mit "dürfte"

Das geht aber auch ohne Bedingungsformen

"möchten", "hätte gern"

Was ganz Herzliches

Ungarische Bedingungsform statt deutscher Indikativform

... und umgekehrt

"müsste" und "sollte"

Eine kurze Revision von "müssen" und "sollen"

Beispielsätze

Kurze Erinnerung an die Infinitivform mit Besitzerzeichen

"kellett"? Ich versteh bloß Bahnhof!

Versuch eines Resümees

 

 

 

 

 

 

 

Wie bereits im Kapitel über die Verben allgemein gesagt, ist ein Verb Träger verschiedener Informationen. Die Tätigkeit an sich, die handelnden Personen, deren Anzahl, die Zeit, der Modus und das Genus Verbi.

Unter letzterem versteht man den Unterschied zwischen aktiver und passiver Handlung, was aber - wie bereits in anderen Kapiteln erwähnt wurde - im modernen Ungarisch keine Rolle mehr spielt. Es gibt nur noch Aktivformen.

Bleibt noch der Modus, dem bisher im Kapitel über die Verben allgemein bereits Augenmerk geschenkt wurde. Die Ausführungen über Präsens, Präteritum und Futur in den Kapiteln vorher waren ja allesamt Indikativ-Formen.
Das bedeutet: die in den Beispielsätzen gemachten Handlungen werden angezeigt, so als ob sie tatsächlich stattfinden, stattgefunden haben oder noch stattfinden werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind derartige Aussagen über die Vergangenheit diejenigen, die den höchsten Grad an Wahrheit und Glaubwürdigkeit aufweisen.

 

 

Aussagen im Indikativ haben also einerseits den Charakter, 100% sichere Angaben zu machen - was aber nicht immer wirklich der Fall sein kann. Zum anderen haben Indikativformen auch die Eigenart, regelmäßige, gewohnheitsmäßige, immer wiederkehrende Handlungen auszudrücken.

Bleiben aber trotzdem immer noch jene Zweifelsfälle, in denen man sich nicht sicher ist, ob etwas wirklich SO geschieht, geschah oder geschehen wird, wie man es angibt. Für solche Fälle gibt es spezielle Verbformen, die stets nur die Möglichkeit einer Handlung ausdrücken, sowohl im Deutschen als auch im Ungarischen.

Diese Möglichkeitsform bezeichnen die Sprachwissenschaftler als KONJUKTIV oder in manchen Sprachen als SUBJUNKTIV.

Neben Indikativ und Konjunktiv existiert noch ein dritter Modus: der Imperativ, die Befehlsform. Aber dazu mehr in einem anderen Kapitel.

 

 

Man kann sagen, dass man im Deutschen mit jedem der drei Modi so seine Probleme hat.

Wer nur im Indikativ redet, wird es im Leben nicht weit bringen, schon allein deshalb, weil er alles als gegeben und gesichert hinstellt. Man früher oder später in eine Falle tappen.

Der Imperativ verlangt stets eine gewisse Überwindung, weil er schließlich in der Regel dazu benutzt wird, einem anderen Menschen den eigenen Willen aufzuzwingen. Dafür aber sind seine Formen an Kürze nicht zu unterbieten - jedenfalls, wenn man jemanden duzen darf oder aber die veraltete Höflichkeitsanrede der 2.Person Mehrzahl benutzt.

Und der Konjunktiv an sich bringt Formen zu Tage, bei denen man erstmal überlegen muss, ob das wirklich so richtig ist, was man gesagt hat. Aber wenn man diese Kunst erstmal beherrscht, steht einer Karriere in der Politik nichts mehr im Wege.

 

 

Der Konjunktiv kennt übrigens nur zwei Zeitformen: Präsens und Präteritum.
Der Sinn dieser Unterscheidung lag ursprünglich darin, dass Formulierungen im Konjunktiv Präsens die Möglichkeit ausdrückten, dass die ausgedrückte Handlung durchaus noch stattfinden kann. Der Konjunktiv Präteritum drückte dagegen aus, dass die entsprechende Handlung durchaus im Bereich des Möglichen gewesen war. Also die Chance, dass es dazu kommt, ist nicht mehr gegeben.

Doch die Sprache hat sich gewandelt. Der Konjunktiv Präsens spielt etwa bei Bedingungssätzen keine Rolle mehr. Er taucht nur noch in der indirekten Rede auf, wenn Handlungen in der Gegenwart formuliert und durch eine andere Person wiedergegeben werden.

Indikativ Präsens Er liest ein Buch.
Konjunktiv Präsens Er sagt, er lese ein Buch.

 

 

Problematisch ist am Konjunktiv Präsens vor allem, dass er sich in seinen Ausformungen oftmals nicht vom Indikativ Präsens unterscheidet. Die Bedeutung eines "ich sage" - welches ja sowohl Indikativ Präsens als auch Konjunktiv Präsens der 1.Person Einzahl bedeuten kann - muss also dann dem Kontext entnommen werden.

Interessant sind seine Formulierungen aber doch noch, denn praktisch alle Verben, die im Indikativ Präsens eine Wortstammänderung in der Beugung aufweisen, behalten in der Konjunktiv Präsens-Form mit Ausnahme der entsprechenden Personalendung ihren Wortstamm des Infinitivs.

Dazu als Beispiel der Prototyp des unregelmäßigen Verbs:

Indikativ Präsens ich bin du bist er ist wir sind ihr seid sie sind
Konjunktiv Präsens ich sei du sei(e)st er sei wir seien ihr sei(e)t sie seien
Konjunktiv Präteritum ich wäre du wär(e)st er wäre wir wären ihr wäret sie wären

 

 

Ein wenig besser, aber auch nicht sehr viel vitaler, steht der Konjunktiv Präteritum da. Sein Vorteil ist zugleich auch sein Nachteil. Seine Formen heben sich zwar deutlich von den Präteritumsformen des Indikativ ab, allerdings ist man sich aufgrund der recht ungewöhnlichen Verbformungen selbst als Deutscher oft nicht sicher:
Heißt es nun beim Verb "raten" im Konjunktiv "ich riete" oder "ich räte" oder gar "ich rüte"?

 

 

Infinitiv Indikativ Präteritum Konjunktiv Präteritum
dürfen ich durfte ich dürfte
können ich konnte ich könnte
sehen ich sah ich sähe
gehen ich ging ich ginge
raten ich riet ich riete


Und wie man sieht, kann man beim Verb "sehen" gewaltig ins Schleudern kommen, was die richtige Schreibweise angeht. Der Infinitiv heißt "sehen", also "e" als Stammvokal.
Indikativ Präteritum "ich sah", also nun ein "a".
Und Konjunktiv Präteritum "ich sähe", also ein "ä".
Und wie war das doch nochmal mit dem Unterschied zwischen "e" und "ä"? Wann schreibt man diesen, wann jenen?
Ja, wenn sich ein Laut vom "a" ableitet, schreibt man "ä". Aber wieso leitet sich denn ein "a" von einem "e" ab???

 

 

Das sind Stolpersteine, über die selbst die Deutschen in die Knie gehen.
Und dieser Fluch des Konjunktiv Präteritum hat dazu geführt, dass man statt der reinen Konjunktivformen auf Konditionalformen ausweicht.

Konditionalformen bestehen immer aus einem Hilfsverb in der Konjunktivform und dem Vollverbs der eigentlichen Handlung. Jenachdem, welche Zeitform man wählt, steht dieses entweder im Infinitiv oder im Partizip II. Auf diese Weise muss man sich nur noch die Konjunktivformen der geläufigen Hilfsverben merken, und schon wird alles einfacher. Ein Prinzip, das von anderer Stelle her schon bekannt sein dürfte.

 

 

Welche Konditionalformen gibt es nun also im Deutschen?

Konditionalform Präsens Ich würde gehen.
Konditionalform Perfekt Ich sei gegangen.
Konditionalform Plusquamperfekt Ich wäre gegangen.
Konditionalform Futur II Ich würde gegangen sein.

Die Konditionalform Präsens ersetzt dabei die Formen des Konjunktiv Präteritum.

Alle anderen drei Formen stellen dagegen keine Ersatzformen dar.
Die Konditionalform Perfekt ist vor allem eine Form des Zweifelns, die allerdings in Bedingungssätzen keine Rolle spielt. Das ist dann auch die einzige Abgrenzung in der Umgangssprache zur Plusquamperfektform. Diese drückt vor allem Dinge aus, die im Bereich des Möglichen gelegen haben. Die Chance dazu ist also vorbei.
Die Futur II-Form ist dann nur noch von theoretischer Bedeutung, denn sie klingt sehr geschwollen. Sie will ausdrücken, dass eine Handlung in der Zukunft vollendet worden wäre, aber es kam eben anders.

 

 

Wie schon erwähnt, spielen Konjunktiv- und Konditionalformen bei den Bedingungssätzen eine Rolle. Man unterscheidet da nach drei Formen oder Stufen, und wenn man es ganz genau nehmen will, sogar nach vier Stufen.

Stufe 1 Wenn er den Schlüssel findet, kommt es ins Haus rein.
Stufe 2 Wenn er den Schlüssel fände, käme er ins Haus rein./ Wenn er den Schlüssel finden würde, würde er ins Haus reinkommen.
Stufe 3 Wenn er den Schlüssel gefunden hätte, wäre er ins Haus reingekommen.
Stufe 4 Wenn er den Schlüssel gefunden haben würde, würde er ins Haus reingekommen sein.

Die erste Stufe zeigt ein bestimmtes Vorhaben an. Wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt wird, dann kann das Ziel erreicht werden. Grammatikalisch wird dies durch das Präsens ausgedrückt.

Die zweite Stufe zeigt bereits eine gewisse Einschränkung auf. Anscheinend ist die gestellte Bedingung nicht so ohne weiteres zu erfüllen, das Ziel bleibt aber noch in greifbarer Nähe. Die beiden Satzteile können entweder im Konjunktiv Präteritum oder in der Konditionalform Präsens formuliert werden.

Die dritte Stufe drückt dagegen aus, dass das Vorhaben so nicht realisierbar war. Die Bedingung konnte nicht erreicht werden, das Ziel also auch nicht. Dies kann nur in der Konditionalform Präteritum ausgedrückt werden.

Die vierte Stufe hat eher theoretische Bedeutung, da sie auf das vollendete Futur aufsetzt. Dies spielt aber in der gesprochenen Sprache kaum eine Bedeutung und dient oft nur der Wichtigtuerei. Zudem gilt es als stilistisch unsauber, zweimal hintereinander "würde" zu benutzen.

 

 

 

 

Ein Blick auf andere Sprachen zeigt, dass es dort nicht viel anders aussieht.

Das Französische hat sich ja dahingehend entwickelt, dass auf Teilsätze mit bestimmten Verben die anschließenden Teilsätze im Subjonctive stehen müssen. Der Subjonctive ist praktisch das gleiche wie der Konjunktiv.
Aber über den korrekten Gebrauch des Subjonctive streiten sich selbst die Gelehrten, und das Volk hat schon längst seine eigene Sprache gefunden.

Doch ist der Konjunktiv im Französischen noch wesentlich lebendiger als im Deutschen, auch wenn hier des öfteren auch Konditionalformen benutzt werden.

Äußerst lebendig sein soll der Konjunktiv übrigens im Spanischen, praktisch gar nicht mehr im Gebrauch sei er dagegen im Schwedischen.

 

 

Im Englischen gar ist der Konjunktiv längst verschwunden. Es existieren nur noch die Konditionalformen.
Mit diesen muss man sich spätestens immer dann herumärgern, wenn man die indirekte Rede auf Englisch beherrschen möchte.

Das mag ein Verlust in der Sprache sein, aber es war nur ein weiterer Stein auf dem Weg des Englischen hin zu einer Sprache, die im Grundwortschatz fast nur noch aus einsilbigen Wörtern besteht. Statt also bei den Verben die Bedeutungen in ein Wort zu stecken, werden halt mehrere einsilbige Worte benutzt, um den gleichen Sachverhalt zu umschreiben.

Wie sieht das nun im Ungarischen aus?

 

 

Wie bereits erwähnt, gibt es auch im Ungarischen Konjunktivformen. Und ebenso gibt es auch Konditionalformen.
Diese tauchen, ähnlich dem Deutschen, vor allem bei Höflichkeitssätzen auf, wie wir noch im weiteren Verlauf sehen werden. Und als zweites großes Anwendungsgebiet sind auch hier die Bedingungssätze zu nennen.

Wer in ungarischen Grammatiken sucht, wird das Wort "konjunktív" selten finden. Statt dessen ist von "feltélteles mód" - der Bedingungsform die Rede.

Auch im Ungarischen wird zwischen einer Gegenwarts- und einer Vergangenheitsform des Konjunktivs unterschieden. Doch sind diese nicht mit den beiden Formen des deutschen Konjunktiv gleichzusetzen.

Es ist eher so, dass das Ungarische jene deutsche Form des Konjunktiv Präsens gar nicht mehr kennt. Aus diesem Grund verwende ich jetzt für die ungarischen Konjunktiv- und Konditionalformen den Begriff "Bedingungsformen", um Verwechslungen mit dem deutschen Konjunktiv zu vermeiden.

 

 

Der Bedingungsformen der Gegenwart im Ungarischen also vereinigen die Formen des deutschen Konjunktiv Präsens und des Konjunktiv Präteritum in sich. Da die Unterscheidung zwischen diesen beiden deutschen Formen nur noch in der indirekten Rede eine Rolle spielt, wirft dies praktisch keine Probleme auf.

Die Bildung der Bedingungsformen der Gegenwart erfolgt mit bestimmten Personalendungen. Man muss also mal wieder ein paar neue Endungen im Gedächtnis behalten, um den Modus des Verbs klassifizieren zu können. Allerdings lassen sich die Endungen teilweise aus den Gegenwartsformen des Indikativs ableiten.

 

 

Ja, wenn also die beiden deutschen Konjuntivausprägungen im Ungarischen zur Bedingungsform der Gegenwart verschmelzen, was bitte ist dann die Entsprechung für die ungarischen Bedingungsformen der Vergangenheit im Deutschen? Ganz einfach: es sind die Konditionalformen Perfekt/Plusquamperfekt.

Und das Schöne an den Bedingungsformen der Vergangenheit ist, dass sie eine sehr einfache Bildungsform haben. Man muss dazu nur die Beugungsformen des Indikativ Präteritum nehmen und das Wort "volna" anhängen. Dieses "volna" ist sozusagen ein Marker, der auf die Bedingungsform hinweist. Die Ähnlichkeit zum Wörtchen "volt" ("es war") ist natürlich keine Zufäll. Denn "volna" ist die Bedingungsform der Gegenwart des Verbs "sein" der 3.Person Einzahl.

Allen ungarischen Bedingungsformen, egal ob nun für Gegenwart oder Vergangenheit, ist aber wieder mal gemein, dass es sowohl eine unbestimmte als auch eine bestimmte Form gibt.

Allerdings muss gesagt werden, dass die Nutzung von Vergangenheits- und Gegenwartsformen der ungarischen Bedingungsformen nicht immer synchron zur deutschen Sprache erfolgt.

 

 

Schauen wir uns also nun mal die Konjugationsformen der Bedingungsformen für die Gegenwart an, wie immer zuerst die unbestimmten Formen.

  ad (geben) tart (halten) ért (verstehen)
 
én adnék (ich gäbe) tartanék (ich hielte) értenék (ich verstünde)
te adnál (du gäbest) tartanál (du hieltest) értenél (du verstündest)
ő adna (er gäbe) tartana (er hielte) értene (er verstünde)
 
mi adnánk (wir gäben) tartanánk (wir hielten) értenénk (wir verstünden)
ti adnátok (ihr gäbet) tartanátak (ihr hieltet) értenétek (ihr verstündet)
ők adnának (sie gäben) tartanának (sie hielten) értenének (sie verstünden)

Was die deutschen Übersetzungen angeht: es handelt sich hierbei um die deutschen Formen des Konjunktiv Präteritum. Alternativ könnte man auch die Konditionalformen Präsens einsetzen, also statt "ich gäbe" hieße es dann "ich würde geben".

 

 

Wie schon erwähnt, treten hier wieder ein paar neue Endungen auf. So neu sind sie aber nicht wirklich. Sie entsprechen im Prinzip den Endungen der Indikativ Gegenwart, nur werden sie jeweils noch um eine Silbe erweitert. Diese Silbe ist entweder -ná-/-né- oder aber -aná-/-ené-. Diese Silbe steht immer vor der eigentlichen Personalendung.

Wie man schon erahnen kann, müssen sie entsprechend der Vokalharmonie angewendet werden, die der Wortstamm des Verbes vorgibt; also die
a-Varianten für tiervokalische Stämme und die e-Varianten für hochvokalische.

Wann aber würde man nun zum Beispiel -aná- statt -ná- verwenden?

Dies hängt auch wieder vom Verbalwortstamm ab.
Die drei-Buchstaben-Version wird nämlich nur dann verwendet, wenn zuvor zwei Konsonanten oder aber ein langer Vokal gefolgt von einem t stehen. Sowas Ähnliches kennt man schon von der Bildung des Infinitivs:

kérdez kérdezni
fordít fordítani

 


Eine Merkwürdigkeit wird dem aufmerksamen Leser aber sicher schon aufgefallen sein. In den jeweiligen 1.Personen Einzahl hieß es in den Beispielen tartanék, adnék bzw. értenék. Für die beiden ersten Beispiele ist das ja eigentlich ein Verstoß gegen die Vokalharmonie.

Nun handelt es sich hierbei aber nicht um einen Tippfehler sondern um eine Ausnahmeregelung. Es existiert also für die 1.Person Einzahl Bedingungsform Gegenwart unbestimmte Konjugation nur die Endung "-nék".
Der Witz aber ist, dass der für bestimmte Verben notwendige Bindevokal vor der Endung weiterhin der Vokalharmonie unterworfen wird.
Deshalb also "tartanék" und nicht "tartenék" - und erst recht nicht "tartanák".

 

 

Schauen wir uns nun die bestimmten Formen der Konjugation für die Bedingungsformen der Gegenwart an.

  ad (geben) tart (halten) ért (verstehen)
 
én adnám
(ich gäbe es)
tartanám
(ich hielte es)
érteném
(ich verstünde es)
te adnád
(du gäbest es)
tartanád
(du hieltest es)
értenéd
(du verstündest es)
ő adná
(er gäbe es)
tartaná
(er hielte es)
értené
(er verstünde es)
 
mi adnánk
(wir gäben es)
tartanánk
(wir hielten es)
értenénk
(wir verstünden es)
ti adnátok
(ihr gäbet es)
tartanátak
(ihr hieltet es)
értenétek
(ihr verstündet es)
ők adnák
(sie gäben es)

tartanák
(sie hielten es)

értenék
(sie verstünden es)
       
én => téged adnálak
(ich würde dir geben)
tartanálak
(ich würde dich halten)
értenélek
(ich würde dich verstehen)

 

 

Vergleicht man nun die Formen der unbestimmten und bestimmten Konjugation miteinander, bleibt Folgendes festzuhalten:

Im Gegensatz zur unbestimmten Konjugation gibt es bei der bestimmten in der 1.Person Einzahl je eine Form für hoch- und tiefvokalische Verben.

Bei den Formen der 1. und 2.Person Mehrzahl gibt es zwischen bestimmten und unbestimmten Formen keinen Unterschied.

Die Formen der jeweiligen 3.Personen Einzahl unterscheiden sich nur durch die Länge des Endvokals.

Und die Formen von 3.Person Mehrzahl bestimmt und 1.Person Einzahl unbestimmt sind bei hochvokalischen Verbstämmen identisch. Vielleicht ja hat es sich daher eingebürgert, in der 1.Person Einzahl unbestimmt nur eine Form zu benutzen, um wenigstens teilweise einen Unterschied erkennbar zu lassen.

Ansonsten gilt bei identischen Formen immer, dass man die Person und die Zahl aus dem Kontext heraus erkennen muss. Im Notfall aber kann man immer noch das Personalpronomen hinzufügen.

 

Werfen wir nun einen Blick auf die Bedingungsformen der ik-Verben. Diese weichen nämlich in der unbestimmten Konjugation ein wenig vom bisherigen Muster ab. Die bestimmten Formen dagegen sind regelmäßig.

Da Bedingungsformen nicht ganz so häufig sind wie Indikativformen, sind die grammatikalischen Vorschriften hier auch nicht ganz so festgezurrt.
Grundsätzlich werden ihre Formen genauso gebildet wie die der normalen Verben auch. Nur in der 1. und 3.Person Einzahl können die Formen abweichend sein, müssen aber nicht.

1. Alternative
2.Alternative  
dolgozik (arbeiten)
1. Person Einzahl dolgoznám dolgoznék ich würde arbeiten
3. Person Einzahl dolgoznék dolgozna er würde arbeiten
       
  fésülködni (sich kämmen)  
1. Person Einzahl fésülködném fésülködnék ich würde mich kämmen
3. Person Einzahl fésülködnék fésülködne er würde sich kämmen

Wie man also sieht, existieren laut 1.Alternative für die 1.Person Einzahl nun auf einmal doch zwei Formen je nach Vokalismus. Dafür muss nun die 3.Person Einzahl mit nur einer Endung für alle Lautierungen auskommen.

 

 

Und um das Chaos perfekt zu machen, sind diese Extraformen der 3.Person Einzahl auch noch identisch mit der jeweiligen zweiten Alternativform der 1.Person Einzahl und - wer gut aufgepasst hat, wird es schon gemerkt haben - der 3.Person Mehrzahl bestimmter Konjugation hochvokalischer Verben.

dolgoznék kann also stehen für "ich würde arbeiten" oder aber "er würde arbeiten". Da dolgozik jedoch keine zielendes Verb ist, entfällt die dritte Variante.

Ich würde mir das Leben aber nicht so schwer machen und daher auf jene Spezialvarianten verzichten. Man konjugiere also die ik-Verben in ihren Bedingungsformen einfach so, wie alle anderen Verben auch, und man wird genauso gut verstanden.

 

 

Nun kann man um die Ausnahmeformen der ik-Verben noch einen eleganten Bogen machen. Um die Formen der restlichen unregelmäßigen Verben dagegen leider nicht.

Fangen wir also mal wieder beim Kommen und Gehen an, also jön und megy. Wie uns noch in Erinnerung sein sollte, können diese Verben keine bestimmte Ergänzung haben, sie sind nichtzielend. Also sind nur die unbestimmten Bedingungsformen von Bedeutung:

  jön (kommen) megy (gehen)
én jönnék (ich käme) mennék (ich ginge)
te jönnél (du kämest) mennél (du gingest)
ő jönne (er käme) menne (er ginge)
mi jönnénk (wir kämen) mennénk (wir gingen)
ti jönnétek (ihr kämet) mennétek (ihr ginget)
ők jönnének (sie kämen) mennének (sie gingen)


Und wenn man sich das genau anschaut, stellt man fest, dass die Bildung vollkommen regelmäßig ist.

 

 

Die zweite Gruppe von Ausnahmeverben sind jene v-Stamm-Verben.
Hier ist grundsätzlich zu sagen, dass das -v- nicht in Erscheinung tritt und der lange Stammvokal stets erhalten bleibt.

Zunächst die unbestimmten Formen:

sző
én nőnék főnék lőnék szőnék rónék
te nőnél főnél lőnél szőnél rónál
ő nőne főne lőne szőne róna
mi nőnénk

főnénk

lőnénk szőnénk rónánk
ti nőnétek főnétek lőnétek szőnétek rónátok
ők nőnének főnének lőnének szőnének rónának

 

 

Die bestimmten Formen stellen dann auch keine Probleme dar. Sie entsprechen der regulären Bildungsweise. Anzumerken ist auch hier wieder, dass es für nő und fő keine bestimmten Formen gibt, da diese Verben intransitiv sind.

sző
én lőném szőném rónám
te lőnéd szőnéd rónád
ő lőné szőné róná
mi lőnénk szőnénk rónánk
ti lőnétek szőnétek rónátok
ők lőnék szőnék rónák
       
én => téged lőnélek szőnélek rónálak

 

 

Kommen wir zu den fünf Verben mit dem -sz-Stamm. Im Infinitiv ändert sich der Stammkonsonant in ein "n", in den Vergangenheitsformen in ein "t". Was wird nun wohl bei den Bedingungsformen der Gegenwart passieren?
Nun, es kommt wieder das "n" ins Spiel.

lesz tesz vesz visz hisz
én lennék tennék vennék vinnék hinnék
te lennél tennél vennél vinnél hinnél
ő lenne tenne venne vinne hinne
mi lennénk

tennénk

vennénk vinnénk hinnénk
ti lennétek tennétek vennétek vinnétek hinnétek
ők lennének tennének vennének vinnének hinnének

 

 

Bei den bestimmten Formen verkürzt sich diese Übersicht ein wenig, da lesz intransitiv ist.

tesz vesz visz hisz
én tenném venném vinném hinném
te tennéd vennéd vinnéd hinnéd
ő tenné venné vinné hinné
mi

tennénk

vennénk vinnénk hinnénk
ti tennétek vennétek vinnétek hinnétek
ők tennék

vennék

vinnék hinnék
         
én =>téged tennélek vennélek vinnélek hinnélek

 

 

Richtig in sich haben es die beiden Ernährungsverben eszik und iszik. Diese gehören zwar auch zur Gruppe der eben abgehandelten Verben mit veränderlichem Stammkonsonanten, jedoch kommt noch hinzu, dass es sich um ik-Verben handelt. Und deren Verwirrspiel haben wir ja bereits etwas weiter vorher betrachtet.

Beides gilt es nun zusammen zu bringen. Das einfachste ist dabei noch der Stammkonsonant, der stets ein "n" ist. Schauen wir uns zunächst die unbestimmten Formen an.

eszik iszik
én enném (ennék) innám (innék)
te ennél innál
ő ennék (enne) innék (inna)
mi

ennénk

innánk
ti ennétek innátok
ők ennének

innának

Wie wir also sehen, gibt es - als typisches Merkmal der ik-Verben - mal wieder zwei Formen für die 1. und die 3.Person Einzahl.

 

 

Und nun noch die bestimmten Formen, die sind wenigstens wieder ohne Stolpersteine.

eszik iszik
én enném innám
te ennéd innád
ő enné inná
mi

ennénk

innánk
ti ennétek innátok
ők ennék

innák

Wir haben es also bei eszik mal wieder damit zu tun, dass die Ausprägung ennék gleich drei verschiedene Bedeutungen haben kann. Es empfielt sich also auch hier, wenn man alle Missverständnisse vermeiden will, das entsprechende Personalpronomen zu benutzen. Tröstlich dürfte sein, dass Bedingungsformen eher selten eingesetzt werden.

 

 

Und es wurden noch immer nicht alle Ausnahmeregelungen abgehandelt. Das wohl wichtigste Verb fehlt noch: van

van sein
én volnék ich wäre; ich würde sein
te volnál du wärst; du würdest sein
ő volna er wäre; er würde sein
mi

volnánk

wir wären; wir würden sein
ti volnátok ihr wäret; ihr würdet sein
ők volnának

sie wären; sie würden sein

Die Ähnlichkeit zur Vergangenheitsform "volt" ist frappierend.

 

 

Nun sollte uns allen sicher noch bekannt sein, dass es im Ungarischen kein entsprechendes Verb für "haben" gibt. Hier nochmal eine kleine Erinnerung:

   
nekem van ich habe nekem nincs Ich habe nicht/kein
nekünk van wir haben nekünk nincs wir haben nicht/kein
   
nekem volt ich hatte nekem nem volt ich hatte nicht/kein

nekünk volt

wir hatten nekünk nem volt wir hatten nicht/kein

Und natürlich will und kann man auch im Ungarischen ausgedrücken, gern etwas haben zu wollen oder hätte gern gehabt zu haben. Also muss dass wohl auch irgendwie wieder mit einer Form des Verbs van geschehen, auch irgendwie mit einer Dativform und letzten Endes muss sicherlich auch noch eine Bedingungsform im Spiel sein.

Wohlgemerkt, gemeint ist hier stets das "haben" im Sinne von "etwas Besitzen". Keineswegs ist hier von einer Entsprechung des deutschen Hilfsverbs "haben" die Rede.

 

 

Naja, und so sieht das Ganze dann aus:

nekem volna ich hätte nekem nem volna ich hätte nicht/kein
neked volna du hättest neked nem volna du hättest nicht/kein
neki volna er hätte neki nem volna er hätte nicht/kein
   

nekünk volna

wir hätten nekünk nem volna wir hätten nicht/kein
nektek volna ihr hättet nektek nem volna ihr hättet nicht/kein
nekik volna

sie hätten

nekik nem volna sie hätten nicht/kein

 

Allerdings kann es auch so aussehen:

nekem lenne ich hätte nekem nem lenne ich hätte nicht/kein
neked lenne du hättest neked nem lenne du hättest nicht/kein
neki lenne er hätte neki nem lenne er hätte nicht/kein
   

nekünk lenne

wir hätten nekünk nem lenne wir hätten nicht/kein
nektek lenne ihr hättet nektek nem lenne ihr hättet nicht/kein
nekik lenne

sie hätten

nekik nem lenne sie hätten nicht/kein

 

 

Warum kann man hier nun entweder "volna" oder "lenne" nehmen?

Der Grund liegt in der Doppelrolle der Nennform "lenni", denn wie wir ja bereits wissen, trägt dieses Wort die Infinitive der Verben "sein" also auch "werden" in sich.
Einen kleinen Unterschied gibt es dann aber doch: die Formen auf "lenne" beziehen sich eher auf die Zukunft, die "volna"-Formen haben eher einen Gegenwartsbezug, was dann wieder den Unterschied zwischen "sein" und "werden" klar macht.

Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen:

Ha annyi pénzem volna, mint neked, már régen lenne autóm. Wenn ich soviel Geld hätte wie du, würde ich schon längst ein Auto haben.

Allerdings ist diese Trennung in der Umgangssprache äußerst verwaschen, so dass es einen nicht wundern muss, wenn "volna" und "lenne" ihren Platz tauschen oder gar das eine dem anderen Platz machen würde.

 

 

Nun fehlen noch drei Verben, deren Verbstamm sich durch kräftige Änderungen auszeichnet: alszik, fekszik, nyugszik.
Auch für diese Verben gilt wieder das gleiche Verwirrspiel wie für alle anderen ik-Verben auch.

alszik fekszik nyugszik
én aludnám (aludnék) feküdném (feküdnék) nyugodnám (nyugodnék)
te aludnál feküdnél nyugodnál
ő aludnék (aludna) feküdnék (feküdne) nyugodnék (hyugodna)
mi

aludnánk

feküdnénk nyugodnánk
ti aludnátok feküdnétek nyugodnátok
ők aludnának

feküdnének

nyugodnának

Es handelt sich bei allen drei Verben um intransitive Verben, daher existieren nur unbestimmte Bedingungsformen.

 

 

Wenn sich Dir jetzt nach dem Lesen der Kopf dreht vor all den Ausnahmeregelungen - es sind trotzdem verschwindend wenig gegen all das, was einen Deutschlernenden erwartet - dann habe ich jetzt eine schlechte und eine gute Nachricht.

Wie schon eingangs erwähnt, gibt es ja zwei Bedingungsformen im Ungarischen: die Formen für die Gegenwart und jene für die Vergangenheit.

Die schlechte Nachricht: alles, was bislang abgehandelt wurde, bezog sich lediglich auf die Gegenwartsformen.

Die gute Nachricht: die Bedingungsformen der Vergangenheit sind spielend einfach und brauchen keine derart umfangreichen Erklärungen. Das einzige, was man sich aber vorher nochmal anschauen und in Erinnerung rufen sollte, ist die Bildung der Vergangenheit im Ungarischen.

Wenn diese klar sein sollte, dann kanns ruhig auf der nächsten Seite weitergehen.

 

 

Wie schon weiter vorher erwähnt dienen die Bedingungsformen der Vergangenheit dazu, gewisse Dinge und Handlungen auszudrücken, die durchaus möglich gewesen waren, allerdings aufgrund anderer Umstände nun nicht mehr zu verwirklichen sind. Das im Deutschen oft schon sprichwörtliche "Hätte! Könnte! Sollte!" in Bezug auf nunmehr Unmögliches macht dies wohl klar.
Etwas vulgär ausgedrückt: "Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen erwischt!"

Kommen also die Bedingungsformen der Vergangenheit ins Spiel, dann ist die Möglichkeit nicht mehr gegeben sondern eben Teil der Vergangenheit, so bitter das auch sein mag.

Wenigstens ist die Bildung dieser Formen im Ungarischen sehr einfach...

 

 

Man greift nämlich bei der Bildung der Bedingungsformen für die Vergangenheit auf eine Mischung aus Wirklichkeits- und Bedingungsformen zurück. Möglicherweise ist dies das Ergebnis einer Sprachvereinfachung gewesen.

Man hat es mit einem zweiteiligen Verb zu tun bestehend aus Vollverb und einer Partikel für die Bedingtheit.

Das Vollverb, was die eigentliche Handlung ausdrückt, wird in der Vergangenheitsform des Indikativ benutzt und entsprechend konjugiert.
Ihm folgt dann einfach nur noch das Wörtchen "volna". Es ist ja bereits bekannt von den Bedingungsformen der Gegenwart des Verbs "van" als Form der 3.Person Einzahl.

Und dieses "volna" dient nun wirklich nur als Markierung der Bedingungsform. Es spielt also keine Rolle, ob Einzahl- oder Mehrzahl und welche Person im Spiel ist, es wird immer nur "volna" angefügt.

Ja, und natürlich gibt es auch hier wieder eine bestimmte und eine unbestimmte Konjugationsform.

 

 

Schauen wir uns dazu einfach mal zwei Beispiele an.
Zunächst die Formen der unbestimmten Konjugation:

ad geben
én adtam volna ich hätte gegeben
te adtál volna du hättest gegeben
ő adott volna er hätte gegeben
mi

adtunk volna

wir hätten gegeben
ti adtatok volna ihr hättet gegeben
ők adtak volna

sie hätten gegeben

 

megy gehen
én mentem volna ich wäre gegangen
te mentél volna du wärst gegangen
ő ment volna er wäre gegangen
mi

mentünk volna

wir wären gegangen
ti mentetek volna ihr wärt gegangen
ők mentek volna

sie wären gegangen


Wie man also sieht: so schwer ist es gar nicht, wenn man die Vergangenheitsformen beherrscht.

Wie man auch sieht: im Deutschen ist stets der korrekte Gebrauch der Hilfsverben "sein" und "haben" zu beachten. Und was waren das doch gleich nochmal für Regelungen, die dafür galten...

Lassen wir das lieber!

 

 

Schauen wir uns stattdessen noch die bestimmte Konjugation der Bedingungsformen der Vergangenheit an:

ad geben
én adtam volna ich hätte es gegeben
te adtad volna du hättest es gegeben
ő adta volna er hätte es gegeben
mi

adtuk volna

wir hätten es gegeben
ti adtátok volna ihr hättet es gegeben
ők adták volna

sie hätten es gegeben

     
én => téged adtalak volna ich hätte dich gegeben


Da "megy" keine bestimmten Formen haben kann, wird hier als zweites Beispiel das Verb "kér" aufgeführt.

kér bitten
én kértem volna ich hätte darum gebeten
te kérted volna du hättest darum gebeten
ő kérte volna er hätte darum gebeten
mi

kértük volna

wir hätten darum gebeten
ti kértétek volna ihr hättet darum gebeten
ők kérték volna

sie hätten darum gebeten

     
én => téged kértelek volna ich hätte dich darum gebeten

 

 

Es bleibt nur eine einzige Extraregelung in dieser Hinsicht aufzuführen, nämlich die Formen des Verbs "van".

van, lesz sein, werden
én lettem volna ich wäre gewesen; ich wäre geworden
te lettél volna du wärst gewesen; du wärst geworden
ő lett volna er wäre gewesen; er wäre geworden
mi

lettünk volna

wir wären gewesen; wir wären geworden
ti lettetek volna ihr wärt gewesen; ihr wärt geworden
ők lettek volna

sie wären gewesen; sie wären geworden


Auch hier zeigt sich dann wieder, dass zwischen "sein" und "werden" im Ungarischen die Grenzen recht verwaschen sind, da ja beide Verben in der Nennform durch "lenni" dargestellt werden.

Das führt nun bei den Bedingungsformen der Vergangenheit soweit, das zwischen "wäre gewesen" und "wäre geworden" nicht unterschieden wird. Im Deutschen drückt ja die erste Variante eher etwas Gegenwärtiges aus, während die zweite in die Zukunft gerichtet ist.

 

 

Nachdem nun also die Bildungsweisen der Bedingungsformen im Großen und Ganzen klar sein sollten, wende ich mich nun dem Gebrauch der Formen zu.

Wie schon erwähnt gibt es die sogenannten Bedingungssätze, die je nach Grad der Möglichkeit entsprechend anders in den grammatikalischen Ausformungen sind.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an. Wir wollen den folgenden Satz in die drei Bedingungsformen setzen: "Wenn du schlau bist, findest du die Lösung."

Die erste Stufe haben wir ja im Deutschen nun schon vorgegeben. Sie wird durch die Formen des Präsens Indikativ charakterisiert.

Das ist im Ungarischen genauso.

Ha ravasz vagy, a megoldást találod. Wenn du schlau bist, findest du die Lösung.

Vagy und találod sind hier also die beiden Verben im Präsens Indikativ, jeweils in der 2.Person Einzahl. Zu beachten ist, dass der erste Teilsatz unbestimmt, der zweite bestimmt ist.

 

 

Es folgt Stufe 2.

Ha ravasz volnál, a megoldást találnád. Wenn du schlau wärst, fändest du die Lösung.

Nun, der Satz mag etwas gemein klingen, aber er ist grammatikalisch einwandfrei.
Mit
volnál und találnád sind hier also zwei Bedingungsformen zu finden. Die Bildung der zweiten Stufe erfolgt also in ähnlicher Weise wie im Deutschen, nur dass eben im Deutschen statt des Konjunktiv Präteritum lieber auf die Konditionalform Präteritum zurückgegriffen wird.

 

 

Und nun der Blick auf Stufe 3.

Ha ravasz letted volna, a megoldást találtad volna. Wenn du schlau gewesen wärst, hättest du die Lösung gefunden.

Ein Satz, mit dessen schonungsloser Aussage man sich sicher keine Freunde macht. Als Bedingungsformen finden wir nun letted volna und találtad volna. Während wir also im Deutschen die Konditionalform Plusquamperfekt benutzen, benutzen die Ungarn für diesen Fall die Bedingingsformen der Vergangenheit.

 

 

Schauen wir uns noch ein paar weitere Beispiele an:

Stufe 1 Ha sietsz, eléred a vonatot. Wenn du dich beeilst, erreichst du den Zug noch.
Stufe 2 Ha sietnél, elérnéd a vonatot. Wenn du dich beeilen würdest, würdest du den Zug noch erreichen.
Stufe 3 Ha siettél volna, elértted volna a vonatot. Wenn du dich beeilt hättest, hättest du den Zug noch erreicht.
Stufe 1

Nem tudok koncentrálni, ha ilyet zajt csináltok.

Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn ihr so einen Lärm macht.
Stufe 2 Nem tudnék koncentrálni, ha ilyen zajt csinálnátok. Ich könnte mich nicht konzentrieren, wenn ihr so einen Lärm machen würdet.
Stufe 3 Nem tudtam volna koncentrálni, ha ilyen zajt csináltatok volna.

Ich hätte mich nicht konzentrieren können, wenn ihr so einen Larm gemacht hättet.

 

 

Nun müssen aber nicht immer bloß Bedingungen im Spiel sein, damit die Bedingungsformen zur Anwendung kommen. Sie werden ebenso verwendet, wenn man Wünsche äußern will. Solche Sätze kann man meistens anhand gewisser Einleitungsworte erkennen, die quasi Signalwirkung haben.

Dazu gehören die Wörter "bár" = "obwohl", "bárcsak" = "wenn...doch/nur", "csak" = "nur", "bloß","allein" und "de" = "aber", "wie".

Ein paar Beispiele dazu:

De szeretnék a fekete tengernél most lenni. Wie gern wäre ich jetzt am Schwarzen Meer.
Bárcsak azt tudném venni! Was ich das nur kaufen könnte!
Bár láthattam volna ez is! Wie gerne hätte ich das auch gesehen!

 

 

Die Bedingungsformen finden aber auch dann Anwendungen, wenn man Zweifel hegt oder zumindestens eine gewisse Ungewissheit vorhanden ist.

Rád bízhatnám a levelem? Könnte ich dir meinen Brief anvertrauen?
Ki hitte volna? Wer hätte das geglaubt?


Bescheidenheit ist bekanntlich eine Zierde.
Und genau deswegen darf man sich auch im Ungarischen nicht zieren, dann auch die Bedingungsformen anzuwenden.
Auch zurückhaltende Forderungen oder sehr höfliche Bitten werden so verfasst.

Láthatnám a régi kastélyt? Könnte ich das alte Schloss sehen?
Volna egy kérésem. Ich hätte eine Bitte.

 


Bitten, die mehr als gut gemeinter Hinweis zu verstehen sind, sollten diplomatisch vorgetragen werden, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten. Dafür greift man im Deutschen gern auf die Konjunktivformen "dürfte/dürften" zurück.

Dem entspricht im Ungarischen "lehetne" bzw. "lehetett volna".
"lehet" ist - vergleich bar zu "kell" - eine Partikel und steht für "es ist möglich", "man kann".
"lehetne" als Bedingungsform der Gegenwart und "lehetett volna" als die der Vergangenheit werden also in dieser Art und Weise benutzt:

Melegebb is lehet a leves. Die Suppe darf auch wärmer sein.
Melegebb is lehetett a leves. Die Suppe durfte auch wärmer sein.
Melegebb is lehetne a leves. Die Suppe dürfte auch wärmer sein.
Melegebb is lehetett volna a leves. Die Suppe hätte auch wärmer sein dürfen.

 


Es geht allerdings auch ohne Bedingungsformen. Die beiden Worte "válószínűleg" (wahrscheinlich) und "bizonyára" (wohl, gewiss) stehen immer in Verbindung mit Indikativformen, vorausgesetzt, es soll eine Wahrscheinlichkeit ausgedrückt werden:

Már válószínűleg otthon van. Er dürfte schon zu Hause sein.
Az eredmény bizonyára helyes. Das Ergebnis dürfte wohl stimmen.
Hólnap bizonára eső esik. Morgen dürfte es wohl regnen.
Az válószínűleg lehetettlen. Das dürfte unmöglich sein.

 

 

Wo wir schon beim Bitten sind, bleiben wir auch mal ganz höflich.
Das Verb für "mögen" oder "gern haben" lautet auf ungarisch "szeret", sollte vielleicht noch bekannt sein von den Beugungsformen der Gegenwart her.

Nun ist es im Deutschen üblich geworden, statt "mögen" lieber "möchten" zu benutzen. Es handelt sich dabei um nichts anderes als um den Konjunktiv von "mögen" - einer der wenigen Fälle, wo der Konjunktiv über die Konditionalformen gesiegt hat.

Im Ungarischen bleibt der Wortstamm auch in diesem Fall in den Bedingungsformen erhalten. "ich möchte" heißt also auf ungarisch "szeretnék".
Wenn man etwas gern gehabt oder getan hätte, was aber nun nicht mehr möglich ist, kommt entsprechend die Vergangenheitsform ins Spiel: "szerettelek volna".

Szeretnék pihenni tessék! Ich möchte mich bitte ausruhen!
Szerettelek volna látni. Ich hätte dich gern gesehen.

 

 

Anstelle der Konstruktion "szeretnék + Infinitiv" kann man aber auch auf das Wort "szívesen" zurückgreifen, muss dann aber das Verb der Handlung in die Bedingungsform setzen.

Szívesen venném ezt a könyvet. Ich würde gern dieses Buch kaufen.
Szívesen tenném, de hogy? Ich würde es ja gern machen, aber wie?

"szívesen" leitet sich übrigens ab von "szív".
Das kann einmal ein Verb sein im Sinne von "saugen" oder "einatmen".

Es kann aber auch ein Substantiv sein im Sinne von "das Herz". Während wir Deutschen das Herz also mit einer Pumpe vergleichen, sehen die Ungarn in ihm eher ein Saugorgan. Nun, beides ist anatomisch gesehen richtig.

"szíves" ist dann ein abgeleitetes Adjektiv davon, also "herzlich". Und "szívesen" ist letzten Endes die Adverbform, die nun für solche Fälle speziell mit "gern" übersetzt wird.

 

 

Nun kommen noch ein paar Regelungen, die etwas spezieller sind und nicht groß hinterfragt werden können, "es-ist-eben-so"-Regeln.

Bei bestimmten Einleitungsworten folgt im Satz grundsätzlich immer das Verb in der Bedingungsform, wo im Deutschen nur Indikativformen zu finden sind.
Allerdings kann man diese Fälle an einer Hand abzählen. Sie seien jetzt mal anhand von drei Beispielen aufgeführt.

Ahelyett, hogy munkásna, moziba jár. Anstatt auf Arbeit geht er immer ins Kino.
Anélkül, hogy megnézte volna, megvette. Er kaufte es, ohne es angeschaut zu haben.
Mintha már láttam volna valahol. Als ob ich das schon irgendwo gesehen hätte.

 

 

Auch der umgekehrte Fall wird abgedeckt, also Einleitungswörter, die Indikativformen verlangen, obwohl man hier im Deutschen den Konjunktiv findet.
Genau genommen ist es nur ein einziges Wort, das aber in zwei Formen auftreten kann und uns in anderem Zusammenhang bereits bekannt ist: majd bzw. majdnem.

Majdnem elestem! Ich wäre beinahe hingefallen!
Majdnem meghalt. Er wäre fast gestorben.

Hierzu sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass "majdnem" die eigentliche Form des Wortes ist, "majd" dagegen eine Kurzform.
Es darf nicht mit jenem "majd" verwechselt werden, welches auf zukünftige Handlungen hinweist.
Wann nun welcher Fall vorliegt, erkennt man an der Zeitform des Verbs: bei Gegenwartsformen ist die Handlung auf die Zukunft gerichtet, vei Vergangenheitsformen dagegen ist ein Ereignis gemeint, was in der Vergangenheit hätte passieren können.

 

 

Wie ist es nun, wenn man im Ungarischen ausdrücken möchte, dass ein gewisser Zwang durchaus gegeben sein könnte. Im Deutschen tauchen hierfür vor allem die Wörter "müsste" und "sollte" auf.

Im Ungarischen wird übrigens nicht zwischen "sollen" und "müssen" unterschieden. Beides wird durch die gleiche Konstruktion ausgedrückt:
Dativform der Person + kell + Infinitivform der Tätigkeit mit Besitzerzeichen.
Für die Vergangenheitsform steht dann entsprechend kellett.

 

 

Erinnern wir uns:

Neki is jönnie kell. Er muss auch kommen.
Neki is jönnie kellett. Er musste auch kommen.
Nem oda kell elmennünk. Wir sollen nicht dort hingehen.
Nem oda kellett elmennünk. Wir sollten nicht dort hingehen.


Und dieses Prinzip wird auch beibehalten, wenn sich die ganze Angelegenheit nur unter Bedingungen abspielt.

Die Wandlung von Gegebenheit zu Bedingheit findet nun statt durch die Wandlung des Wörtchens "kell" zu "kellene" bzw. "kellett volna".

 

 

"kellene" ist dabei die Bedingungsform der Gegenwart, "kellett volna" entsprechend die Bedingungsform der Vergangenheit.

Die eben genannten Beispielsätze sehen dann so aus:

Neki is jönnie kellene. Er müsste auch kommen.
Neki is jönnie kellett volna. Er hätte auch kommen müssen.
Nem oda kellene elmennünk. Wir sollten nicht dort hingehen.
Nem oda kellett volna elmennünk. Wir hätten dort nicht hingehen sollen.

 

 

Es sei noch einmal daran erinnert, dass bei den Infinitivformen mit Besitzerzeichen in den 1. und 2. Personen das "-i" der Infinitivsilbe "-ni" wegfällt.

Also:
jönni
jönnöm, jönnöd, jönnie, jönnünk, jönnötök, jönniük

menni
mennem, menned, mennie, mennünk, mennetek, menniük

 


Übrigens: "kellett" und "kelet" sind zwei völlig verschiedene Dinge. Das erste kennzeichnet - wie gesagt - die Vergangenheit des Müssens im Ungarischen, das zweite ist eine Himmelrichtung, und zwar "der Osten".

Kann sein, dass jetzt vielleicht der eine oder andere wirklich "Bahnhof" versteht. Denn in einem Bahnfahrplan wird man sicher mal auf "Budapest keleti pu" stoßen. Man sollte dabei wissen, dass es sich hier um den Ostbahnhof der Stadt handelt: "keleti pályaudvar".
Da dies aber etwas zu lang ist, wird es eben abgekürzt - so wie im Deutschen das Kürzel "Hbf" für Hauptbahnhof steht.
Budapest besitzt übrigens auch noch einen "nyugati pu" (Westbahnhof) und einen "déli pu" (Südbahnhof). Der Nordbahnhof, wenn es denn einen gäbe, hieße dann "északi pu".

 

 

Soweit also zum ungarischen Gegenstück des deutschen Konjunktivs. Ich fasse also noch einmal das Wichtigste zusammen.

Im Ungarischen spricht man nicht vom Konjunktiv sondern von Bedingungsformen. Man unterscheidet dabei nach Genewarts- und Vergangenheitsformen. Die Gegenwartsformen werden benutzt, um Handlungen als noch ausführbar zu charakterisieren.
Die Vergangenheitsformen dagegen deuten darauf hin, dass die Handlung ausführbar war, was aber nun zum Zeitpunkt des Sprechens nicht mehr möglich ist.

Die Bedingungsformen der Gegenwart zeichnen sich in ihren Formen durch die nach dem Verbalstamm eingefügte Silbe "-ná/-né" aus, der dann die üblichen Endungen des Präsens Indikativ folgen.

Die Bedingungsformen der Vergangenheit sind stets zweiteilig und setzen sich zusammen aus der Vergangenheitsform Indikativ des Verbes PLUS dem Wort "volna". Diese beiden Worte müssen dann immer zusammen stehen und dürfen nicht getrennt werden, da sonst der Sinnzusammenhang verloren geht.

 

 


weiter im Text

 

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Autor: Andreas Kraneis
© 2003

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