Die Ungarische Sprache - A magyar nyelv
Der Konjunktiv - A feltételes mód
| Übersicht
|
Einführungstext |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Vor- und Nachteil der drei Modi Konditionalformen anstelle des Konjunktiv Die deutschen Konditionalformen Die Bedingungssätze im Deutschen Ein Blick auf andere Sprachen I Ein Blick auf andere Sprachen II Bedingungsformen statt Konjunktiv Ein paar Worte zu den Bedingungsformen der Gegenwart ... und zu denen der Vergangenheit Die unbestimmten Bedingungsformen der Gegenwart ... und eine kleine Modifikation ... und eine Besonderheit der 1.Person Einzahl Die bestimmten Bedingungsformen der Gegenwart Unterschiede zwischen bestimmt und unbestimmt Die Bedingungsformen der ik-Verben ... und ein kleiner Ratschlag dazu Die -v-Stamm-Verben und ihre unbestimmten Formen ... und ihre bestimmten Formen Die -sz-Stammverben und ihre unbestimmen Formen ... und ihre bestimmten Formen Die unbestimmten Formen von eszik und iszik ... und ihre bestimmten Formen Die Bedingungsformen des Verbes van Kleiner Rekurs übers "haben" im Ungarischen Das doppelte "hätte" im Ungarischen Die Formen von alszik, fekszik und nyugszik Der Übergang zu den Formen der Vergangenheit Über den Sinn der Vergangenheits-formen Beispiele für die unbestimmten Formen Beispiele für die bestimmten Formen Die Bedingungssätze im Ungarischen: Stufe 1 Die Bedingungssätze im Ungarischen: Stufe 2 Die Bedingungssätze im Ungarischen: Stufe 3 Zwei weitere Beispiele in allen drei Stufen Zweifel, Ungewissheit, höfliche Bitten Der freundliche Hinweis mit "dürfte" Das geht aber auch ohne Bedingungsformen Ungarische Bedingungsform statt deutscher Indikativform Eine kurze Revision von "müssen" und "sollen" Kurze Erinnerung an die Infinitivform mit Besitzerzeichen "kellett"? Ich versteh bloß Bahnhof!
|
Wie bereits im Kapitel über die Verben allgemein gesagt, ist ein Verb Träger verschiedener Informationen. Die Tätigkeit an sich, die handelnden Personen, deren Anzahl, die Zeit, der Modus und das Genus Verbi. Unter letzterem versteht man den Unterschied zwischen aktiver und passiver Handlung, was aber - wie bereits in anderen Kapiteln erwähnt wurde - im modernen Ungarisch keine Rolle mehr spielt. Es gibt nur noch Aktivformen. Bleibt noch
der Modus, dem bisher im Kapitel über die Verben allgemein bereits
Augenmerk geschenkt wurde. Die Ausführungen über Präsens,
Präteritum und Futur in den Kapiteln vorher waren ja allesamt Indikativ-Formen.
Aussagen im Indikativ haben also einerseits den Charakter, 100% sichere Angaben zu machen - was aber nicht immer wirklich der Fall sein kann. Zum anderen haben Indikativformen auch die Eigenart, regelmäßige, gewohnheitsmäßige, immer wiederkehrende Handlungen auszudrücken. Bleiben aber trotzdem immer noch jene Zweifelsfälle, in denen man sich nicht sicher ist, ob etwas wirklich SO geschieht, geschah oder geschehen wird, wie man es angibt. Für solche Fälle gibt es spezielle Verbformen, die stets nur die Möglichkeit einer Handlung ausdrücken, sowohl im Deutschen als auch im Ungarischen. Diese Möglichkeitsform
bezeichnen die Sprachwissenschaftler als KONJUKTIV oder in manchen Sprachen
als SUBJUNKTIV.
Man kann sagen, dass man im Deutschen mit jedem der drei Modi so seine Probleme hat. Wer nur im Indikativ redet, wird es im Leben nicht weit bringen, schon allein deshalb, weil er alles als gegeben und gesichert hinstellt. Man früher oder später in eine Falle tappen. Der Imperativ verlangt stets eine gewisse Überwindung, weil er schließlich in der Regel dazu benutzt wird, einem anderen Menschen den eigenen Willen aufzuzwingen. Dafür aber sind seine Formen an Kürze nicht zu unterbieten - jedenfalls, wenn man jemanden duzen darf oder aber die veraltete Höflichkeitsanrede der 2.Person Mehrzahl benutzt. Und der Konjunktiv an sich bringt Formen zu Tage, bei denen man erstmal überlegen muss, ob das wirklich so richtig ist, was man gesagt hat. Aber wenn man diese Kunst erstmal beherrscht, steht einer Karriere in der Politik nichts mehr im Wege.
Der Konjunktiv
kennt übrigens nur zwei Zeitformen: Präsens und Präteritum. Doch die Sprache hat sich gewandelt. Der Konjunktiv Präsens spielt etwa bei Bedingungssätzen keine Rolle mehr. Er taucht nur noch in der indirekten Rede auf, wenn Handlungen in der Gegenwart formuliert und durch eine andere Person wiedergegeben werden.
Problematisch ist am Konjunktiv Präsens vor allem, dass er sich in seinen Ausformungen oftmals nicht vom Indikativ Präsens unterscheidet. Die Bedeutung eines "ich sage" - welches ja sowohl Indikativ Präsens als auch Konjunktiv Präsens der 1.Person Einzahl bedeuten kann - muss also dann dem Kontext entnommen werden. Interessant sind seine Formulierungen aber doch noch, denn praktisch alle Verben, die im Indikativ Präsens eine Wortstammänderung in der Beugung aufweisen, behalten in der Konjunktiv Präsens-Form mit Ausnahme der entsprechenden Personalendung ihren Wortstamm des Infinitivs. Dazu als Beispiel der Prototyp des unregelmäßigen Verbs:
Ein wenig
besser, aber auch nicht sehr viel vitaler, steht der Konjunktiv Präteritum
da. Sein Vorteil ist zugleich auch sein Nachteil. Seine Formen heben sich
zwar deutlich von den Präteritumsformen des Indikativ ab, allerdings
ist man sich aufgrund der recht ungewöhnlichen Verbformungen selbst
als Deutscher oft nicht sicher:
Das sind
Stolpersteine, über die selbst die Deutschen in die Knie gehen. Konditionalformen bestehen immer aus einem Hilfsverb in der Konjunktivform und dem Vollverbs der eigentlichen Handlung. Jenachdem, welche Zeitform man wählt, steht dieses entweder im Infinitiv oder im Partizip II. Auf diese Weise muss man sich nur noch die Konjunktivformen der geläufigen Hilfsverben merken, und schon wird alles einfacher. Ein Prinzip, das von anderer Stelle her schon bekannt sein dürfte.
Welche Konditionalformen gibt es nun also im Deutschen?
Die Konditionalform
Präsens ersetzt dabei die Formen des Konjunktiv Präteritum.
Wie schon erwähnt, spielen Konjunktiv- und Konditionalformen bei den Bedingungssätzen eine Rolle. Man unterscheidet da nach drei Formen oder Stufen, und wenn man es ganz genau nehmen will, sogar nach vier Stufen.
Die erste Stufe zeigt ein bestimmtes Vorhaben an. Wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt wird, dann kann das Ziel erreicht werden. Grammatikalisch wird dies durch das Präsens ausgedrückt. Die zweite Stufe zeigt bereits eine gewisse Einschränkung auf. Anscheinend ist die gestellte Bedingung nicht so ohne weiteres zu erfüllen, das Ziel bleibt aber noch in greifbarer Nähe. Die beiden Satzteile können entweder im Konjunktiv Präteritum oder in der Konditionalform Präsens formuliert werden. Die dritte Stufe drückt dagegen aus, dass das Vorhaben so nicht realisierbar war. Die Bedingung konnte nicht erreicht werden, das Ziel also auch nicht. Dies kann nur in der Konditionalform Präteritum ausgedrückt werden. Die vierte Stufe hat eher theoretische Bedeutung, da sie auf das vollendete Futur aufsetzt. Dies spielt aber in der gesprochenen Sprache kaum eine Bedeutung und dient oft nur der Wichtigtuerei. Zudem gilt es als stilistisch unsauber, zweimal hintereinander "würde" zu benutzen.
Ein Blick auf andere Sprachen zeigt, dass es dort nicht viel anders aussieht. Das Französische
hat sich ja dahingehend entwickelt, dass auf Teilsätze mit bestimmten
Verben die anschließenden Teilsätze im Subjonctive stehen müssen.
Der Subjonctive ist praktisch das gleiche wie der Konjunktiv. Doch ist der Konjunktiv im Französischen noch wesentlich lebendiger als im Deutschen, auch wenn hier des öfteren auch Konditionalformen benutzt werden. Äußerst lebendig sein soll der Konjunktiv übrigens im Spanischen, praktisch gar nicht mehr im Gebrauch sei er dagegen im Schwedischen.
Im Englischen
gar ist der Konjunktiv längst verschwunden. Es existieren nur noch
die Konditionalformen. Das mag ein Verlust in der Sprache sein, aber es war nur ein weiterer Stein auf dem Weg des Englischen hin zu einer Sprache, die im Grundwortschatz fast nur noch aus einsilbigen Wörtern besteht. Statt also bei den Verben die Bedeutungen in ein Wort zu stecken, werden halt mehrere einsilbige Worte benutzt, um den gleichen Sachverhalt zu umschreiben. Wie sieht das nun im Ungarischen aus?
Wie bereits
erwähnt, gibt es auch im Ungarischen Konjunktivformen. Und ebenso
gibt es auch Konditionalformen. Wer in ungarischen Grammatiken sucht, wird das Wort "konjunktív" selten finden. Statt dessen ist von "feltélteles mód" - der Bedingungsform die Rede. Auch im Ungarischen wird zwischen einer Gegenwarts- und einer Vergangenheitsform des Konjunktivs unterschieden. Doch sind diese nicht mit den beiden Formen des deutschen Konjunktiv gleichzusetzen. Es ist eher so, dass das Ungarische jene deutsche Form des Konjunktiv Präsens gar nicht mehr kennt. Aus diesem Grund verwende ich jetzt für die ungarischen Konjunktiv- und Konditionalformen den Begriff "Bedingungsformen", um Verwechslungen mit dem deutschen Konjunktiv zu vermeiden.
Der Bedingungsformen der Gegenwart im Ungarischen also vereinigen die Formen des deutschen Konjunktiv Präsens und des Konjunktiv Präteritum in sich. Da die Unterscheidung zwischen diesen beiden deutschen Formen nur noch in der indirekten Rede eine Rolle spielt, wirft dies praktisch keine Probleme auf. Die Bildung der Bedingungsformen der Gegenwart erfolgt mit bestimmten Personalendungen. Man muss also mal wieder ein paar neue Endungen im Gedächtnis behalten, um den Modus des Verbs klassifizieren zu können. Allerdings lassen sich die Endungen teilweise aus den Gegenwartsformen des Indikativs ableiten.
Ja, wenn also die beiden deutschen Konjuntivausprägungen im Ungarischen zur Bedingungsform der Gegenwart verschmelzen, was bitte ist dann die Entsprechung für die ungarischen Bedingungsformen der Vergangenheit im Deutschen? Ganz einfach: es sind die Konditionalformen Perfekt/Plusquamperfekt. Und das Schöne an den Bedingungsformen der Vergangenheit ist, dass sie eine sehr einfache Bildungsform haben. Man muss dazu nur die Beugungsformen des Indikativ Präteritum nehmen und das Wort "volna" anhängen. Dieses "volna" ist sozusagen ein Marker, der auf die Bedingungsform hinweist. Die Ähnlichkeit zum Wörtchen "volt" ("es war") ist natürlich keine Zufäll. Denn "volna" ist die Bedingungsform der Gegenwart des Verbs "sein" der 3.Person Einzahl. Allen ungarischen Bedingungsformen, egal ob nun für Gegenwart oder Vergangenheit, ist aber wieder mal gemein, dass es sowohl eine unbestimmte als auch eine bestimmte Form gibt. Allerdings muss gesagt werden, dass die Nutzung von Vergangenheits- und Gegenwartsformen der ungarischen Bedingungsformen nicht immer synchron zur deutschen Sprache erfolgt.
Schauen wir uns also nun mal die Konjugationsformen der Bedingungsformen für die Gegenwart an, wie immer zuerst die unbestimmten Formen.
Was die deutschen Übersetzungen angeht: es handelt sich hierbei um die deutschen Formen des Konjunktiv Präteritum. Alternativ könnte man auch die Konditionalformen Präsens einsetzen, also statt "ich gäbe" hieße es dann "ich würde geben".
Wie schon erwähnt, treten hier wieder ein paar neue Endungen auf. So neu sind sie aber nicht wirklich. Sie entsprechen im Prinzip den Endungen der Indikativ Gegenwart, nur werden sie jeweils noch um eine Silbe erweitert. Diese Silbe ist entweder -ná-/-né- oder aber -aná-/-ené-. Diese Silbe steht immer vor der eigentlichen Personalendung. Wie man schon
erahnen kann, müssen sie entsprechend der Vokalharmonie angewendet
werden, die der Wortstamm des Verbes vorgibt; also die Wann aber würde man nun zum Beispiel -aná- statt -ná- verwenden? Dies hängt
auch wieder vom Verbalwortstamm ab.
Schauen wir uns nun die bestimmten Formen der Konjugation für die Bedingungsformen der Gegenwart an.
Vergleicht man nun die Formen der unbestimmten und bestimmten Konjugation miteinander, bleibt Folgendes festzuhalten: Im Gegensatz zur unbestimmten Konjugation gibt es bei der bestimmten in der 1.Person Einzahl je eine Form für hoch- und tiefvokalische Verben. Bei den Formen der 1. und 2.Person Mehrzahl gibt es zwischen bestimmten und unbestimmten Formen keinen Unterschied. Die Formen der jeweiligen 3.Personen Einzahl unterscheiden sich nur durch die Länge des Endvokals. Und die Formen von 3.Person Mehrzahl bestimmt und 1.Person Einzahl unbestimmt sind bei hochvokalischen Verbstämmen identisch. Vielleicht ja hat es sich daher eingebürgert, in der 1.Person Einzahl unbestimmt nur eine Form zu benutzen, um wenigstens teilweise einen Unterschied erkennbar zu lassen. Ansonsten
gilt bei identischen Formen immer, dass man die Person und die Zahl aus
dem Kontext heraus erkennen muss. Im Notfall aber kann man immer noch
das Personalpronomen hinzufügen.
Werfen wir nun einen Blick auf die Bedingungsformen der ik-Verben. Diese weichen nämlich in der unbestimmten Konjugation ein wenig vom bisherigen Muster ab. Die bestimmten Formen dagegen sind regelmäßig. Da Bedingungsformen
nicht ganz so häufig sind wie Indikativformen, sind die grammatikalischen
Vorschriften hier auch nicht ganz so festgezurrt.
Wie man also sieht, existieren laut 1.Alternative für die 1.Person Einzahl nun auf einmal doch zwei Formen je nach Vokalismus. Dafür muss nun die 3.Person Einzahl mit nur einer Endung für alle Lautierungen auskommen.
Und um das Chaos perfekt zu machen, sind diese Extraformen der 3.Person Einzahl auch noch identisch mit der jeweiligen zweiten Alternativform der 1.Person Einzahl und - wer gut aufgepasst hat, wird es schon gemerkt haben - der 3.Person Mehrzahl bestimmter Konjugation hochvokalischer Verben. dolgoznék kann also stehen für "ich würde arbeiten" oder aber "er würde arbeiten". Da dolgozik jedoch keine zielendes Verb ist, entfällt die dritte Variante. Ich würde mir das Leben aber nicht so schwer machen und daher auf jene Spezialvarianten verzichten. Man konjugiere also die ik-Verben in ihren Bedingungsformen einfach so, wie alle anderen Verben auch, und man wird genauso gut verstanden.
Nun kann man um die Ausnahmeformen der ik-Verben noch einen eleganten Bogen machen. Um die Formen der restlichen unregelmäßigen Verben dagegen leider nicht. Fangen wir also mal wieder beim Kommen und Gehen an, also jön und megy. Wie uns noch in Erinnerung sein sollte, können diese Verben keine bestimmte Ergänzung haben, sie sind nichtzielend. Also sind nur die unbestimmten Bedingungsformen von Bedeutung:
Die zweite
Gruppe von Ausnahmeverben sind jene v-Stamm-Verben. Zunächst die unbestimmten Formen:
Die bestimmten Formen stellen dann auch keine Probleme dar. Sie entsprechen der regulären Bildungsweise. Anzumerken ist auch hier wieder, dass es für nő und fő keine bestimmten Formen gibt, da diese Verben intransitiv sind.
Kommen wir
zu den fünf Verben mit dem -sz-Stamm.
Im Infinitiv ändert sich der Stammkonsonant in ein "n",
in den Vergangenheitsformen in ein "t".
Was wird nun wohl bei den Bedingungsformen der Gegenwart passieren?
Bei den bestimmten Formen verkürzt sich diese Übersicht ein wenig, da lesz intransitiv ist.
Richtig in sich haben es die beiden Ernährungsverben eszik und iszik. Diese gehören zwar auch zur Gruppe der eben abgehandelten Verben mit veränderlichem Stammkonsonanten, jedoch kommt noch hinzu, dass es sich um ik-Verben handelt. Und deren Verwirrspiel haben wir ja bereits etwas weiter vorher betrachtet. Beides gilt es nun zusammen zu bringen. Das einfachste ist dabei noch der Stammkonsonant, der stets ein "n" ist. Schauen wir uns zunächst die unbestimmten Formen an.
Wie wir also sehen, gibt es - als typisches Merkmal der ik-Verben - mal wieder zwei Formen für die 1. und die 3.Person Einzahl.
Und nun noch die bestimmten Formen, die sind wenigstens wieder ohne Stolpersteine.
Wir haben es also bei eszik mal wieder damit zu tun, dass die Ausprägung ennék gleich drei verschiedene Bedeutungen haben kann. Es empfielt sich also auch hier, wenn man alle Missverständnisse vermeiden will, das entsprechende Personalpronomen zu benutzen. Tröstlich dürfte sein, dass Bedingungsformen eher selten eingesetzt werden.
Und es wurden noch immer nicht alle Ausnahmeregelungen abgehandelt. Das wohl wichtigste Verb fehlt noch: van
Die Ähnlichkeit zur Vergangenheitsform "volt" ist frappierend.
Nun sollte uns allen sicher noch bekannt sein, dass es im Ungarischen kein entsprechendes Verb für "haben" gibt. Hier nochmal eine kleine Erinnerung:
Und natürlich will und kann man auch im Ungarischen ausgedrücken, gern etwas haben zu wollen oder hätte gern gehabt zu haben. Also muss dass wohl auch irgendwie wieder mit einer Form des Verbs van geschehen, auch irgendwie mit einer Dativform und letzten Endes muss sicherlich auch noch eine Bedingungsform im Spiel sein. Wohlgemerkt, gemeint ist hier stets das "haben" im Sinne von "etwas Besitzen". Keineswegs ist hier von einer Entsprechung des deutschen Hilfsverbs "haben" die Rede.
Naja, und so sieht das Ganze dann aus:
Allerdings kann es auch so aussehen:
Warum kann
man hier nun entweder "volna" oder
"lenne" nehmen? Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen:
Allerdings ist diese Trennung in der Umgangssprache äußerst verwaschen, so dass es einen nicht wundern muss, wenn "volna" und "lenne" ihren Platz tauschen oder gar das eine dem anderen Platz machen würde.
Nun fehlen
noch drei Verben, deren Verbstamm sich durch kräftige Änderungen
auszeichnet: alszik, fekszik, nyugszik.
Es handelt sich bei allen drei Verben um intransitive Verben, daher existieren nur unbestimmte Bedingungsformen.
Wenn sich Dir jetzt nach dem Lesen der Kopf dreht vor all den Ausnahmeregelungen - es sind trotzdem verschwindend wenig gegen all das, was einen Deutschlernenden erwartet - dann habe ich jetzt eine schlechte und eine gute Nachricht. Wie schon eingangs erwähnt, gibt es ja zwei Bedingungsformen im Ungarischen: die Formen für die Gegenwart und jene für die Vergangenheit. Die schlechte Nachricht: alles, was bislang abgehandelt wurde, bezog sich lediglich auf die Gegenwartsformen. Die gute Nachricht: die Bedingungsformen der Vergangenheit sind spielend einfach und brauchen keine derart umfangreichen Erklärungen. Das einzige, was man sich aber vorher nochmal anschauen und in Erinnerung rufen sollte, ist die Bildung der Vergangenheit im Ungarischen. Wenn diese klar sein sollte, dann kanns ruhig auf der nächsten Seite weitergehen.
Wie schon
weiter vorher erwähnt dienen die Bedingungsformen der Vergangenheit
dazu, gewisse Dinge und Handlungen auszudrücken, die durchaus möglich
gewesen waren, allerdings aufgrund anderer Umstände nun nicht mehr
zu verwirklichen sind. Das im Deutschen oft schon sprichwörtliche
"Hätte! Könnte! Sollte!" in Bezug auf nunmehr Unmögliches
macht dies wohl klar. Kommen also die Bedingungsformen der Vergangenheit ins Spiel, dann ist die Möglichkeit nicht mehr gegeben sondern eben Teil der Vergangenheit, so bitter das auch sein mag. Wenigstens ist die Bildung dieser Formen im Ungarischen sehr einfach...
Man greift nämlich bei der Bildung der Bedingungsformen für die Vergangenheit auf eine Mischung aus Wirklichkeits- und Bedingungsformen zurück. Möglicherweise ist dies das Ergebnis einer Sprachvereinfachung gewesen. Man hat es mit einem zweiteiligen Verb zu tun bestehend aus Vollverb und einer Partikel für die Bedingtheit. Das Vollverb,
was die eigentliche Handlung ausdrückt, wird in der Vergangenheitsform
des Indikativ benutzt und entsprechend konjugiert. Und dieses "volna" dient nun wirklich nur als Markierung der Bedingungsform. Es spielt also keine Rolle, ob Einzahl- oder Mehrzahl und welche Person im Spiel ist, es wird immer nur "volna" angefügt. Ja, und natürlich gibt es auch hier wieder eine bestimmte und eine unbestimmte Konjugationsform.
Schauen wir
uns dazu einfach mal zwei Beispiele an.
Lassen wir das lieber!
Schauen wir uns stattdessen noch die bestimmte Konjugation der Bedingungsformen der Vergangenheit an:
Es bleibt nur eine einzige Extraregelung in dieser Hinsicht aufzuführen, nämlich die Formen des Verbs "van".
Das führt nun bei den Bedingungsformen der Vergangenheit soweit, das zwischen "wäre gewesen" und "wäre geworden" nicht unterschieden wird. Im Deutschen drückt ja die erste Variante eher etwas Gegenwärtiges aus, während die zweite in die Zukunft gerichtet ist.
Nachdem nun also die Bildungsweisen der Bedingungsformen im Großen und Ganzen klar sein sollten, wende ich mich nun dem Gebrauch der Formen zu. Wie schon erwähnt gibt es die sogenannten Bedingungssätze, die je nach Grad der Möglichkeit entsprechend anders in den grammatikalischen Ausformungen sind. Schauen wir uns dazu ein Beispiel an. Wir wollen den folgenden Satz in die drei Bedingungsformen setzen: "Wenn du schlau bist, findest du die Lösung." Die erste Stufe haben wir ja im Deutschen nun schon vorgegeben. Sie wird durch die Formen des Präsens Indikativ charakterisiert. Das ist im Ungarischen genauso.
Vagy und találod sind hier also die beiden Verben im Präsens Indikativ, jeweils in der 2.Person Einzahl. Zu beachten ist, dass der erste Teilsatz unbestimmt, der zweite bestimmt ist.
Es folgt Stufe 2.
Nun, der
Satz mag etwas gemein klingen, aber er ist grammatikalisch einwandfrei.
Und nun der Blick auf Stufe 3.
Ein Satz, mit dessen schonungsloser Aussage man sich sicher keine Freunde macht. Als Bedingungsformen finden wir nun letted volna und találtad volna. Während wir also im Deutschen die Konditionalform Plusquamperfekt benutzen, benutzen die Ungarn für diesen Fall die Bedingingsformen der Vergangenheit.
Schauen wir uns noch ein paar weitere Beispiele an:
Nun müssen aber nicht immer bloß Bedingungen im Spiel sein, damit die Bedingungsformen zur Anwendung kommen. Sie werden ebenso verwendet, wenn man Wünsche äußern will. Solche Sätze kann man meistens anhand gewisser Einleitungsworte erkennen, die quasi Signalwirkung haben. Dazu gehören die Wörter "bár" = "obwohl", "bárcsak" = "wenn...doch/nur", "csak" = "nur", "bloß","allein" und "de" = "aber", "wie". Ein paar Beispiele dazu:
Die Bedingungsformen finden aber auch dann Anwendungen, wenn man Zweifel hegt oder zumindestens eine gewisse Ungewissheit vorhanden ist.
Dem entspricht
im Ungarischen "lehetne" bzw. "lehetett
volna".
Wo wir schon
beim Bitten sind, bleiben wir auch mal ganz höflich. Nun ist es im Deutschen üblich geworden, statt "mögen" lieber "möchten" zu benutzen. Es handelt sich dabei um nichts anderes als um den Konjunktiv von "mögen" - einer der wenigen Fälle, wo der Konjunktiv über die Konditionalformen gesiegt hat. Im Ungarischen
bleibt der Wortstamm auch in diesem Fall in den Bedingungsformen erhalten.
"ich möchte" heißt also auf ungarisch "szeretnék".
Anstelle der Konstruktion "szeretnék + Infinitiv" kann man aber auch auf das Wort "szívesen" zurückgreifen, muss dann aber das Verb der Handlung in die Bedingungsform setzen.
"szívesen"
leitet sich übrigens ab von "szív".
Es kann aber
auch ein Substantiv sein im Sinne von "das Herz". Während
wir Deutschen das Herz also mit einer Pumpe vergleichen, sehen die Ungarn
in ihm eher ein Saugorgan. Nun, beides ist anatomisch gesehen richtig.
Nun kommen
noch ein paar Regelungen, die etwas spezieller sind und nicht groß
hinterfragt
werden können, "es-ist-eben-so"-Regeln.
Auch der
umgekehrte Fall wird abgedeckt, also Einleitungswörter, die Indikativformen
verlangen, obwohl man hier im Deutschen den Konjunktiv findet.
Hierzu sollte
vielleicht noch erwähnt werden, dass "majdnem"
die eigentliche Form des Wortes ist, "majd"
dagegen eine Kurzform.
Wie ist es nun, wenn man im Ungarischen ausdrücken möchte, dass ein gewisser Zwang durchaus gegeben sein könnte. Im Deutschen tauchen hierfür vor allem die Wörter "müsste" und "sollte" auf. Im Ungarischen
wird übrigens nicht zwischen "sollen" und "müssen"
unterschieden. Beides wird durch die gleiche Konstruktion ausgedrückt:
Erinnern wir uns:
Die Wandlung von Gegebenheit zu Bedingheit findet nun statt durch die Wandlung des Wörtchens "kell" zu "kellene" bzw. "kellett volna".
"kellene" ist dabei die Bedingungsform der Gegenwart, "kellett volna" entsprechend die Bedingungsform der Vergangenheit. Die eben genannten Beispielsätze sehen dann so aus:
Es sei noch einmal daran erinnert, dass bei den Infinitivformen mit Besitzerzeichen in den 1. und 2. Personen das "-i" der Infinitivsilbe "-ni" wegfällt. Also: menni
Kann sein,
dass jetzt vielleicht der eine oder andere wirklich "Bahnhof"
versteht. Denn
in einem Bahnfahrplan wird man sicher mal auf "Budapest
keleti pu" stoßen. Man sollte dabei wissen, dass es
sich hier um den Ostbahnhof der Stadt handelt: "keleti
pályaudvar".
Soweit also zum ungarischen Gegenstück des deutschen Konjunktivs. Ich fasse also noch einmal das Wichtigste zusammen. Im Ungarischen
spricht man nicht vom Konjunktiv sondern von Bedingungsformen. Man unterscheidet
dabei nach Genewarts- und Vergangenheitsformen. Die Gegenwartsformen werden
benutzt, um Handlungen als noch ausführbar zu charakterisieren. Die Bedingungsformen der Gegenwart zeichnen sich in ihren Formen durch die nach dem Verbalstamm eingefügte Silbe "-ná/-né" aus, der dann die üblichen Endungen des Präsens Indikativ folgen. Die Bedingungsformen der Vergangenheit sind stets zweiteilig und setzen sich zusammen aus der Vergangenheitsform Indikativ des Verbes PLUS dem Wort "volna". Diese beiden Worte müssen dann immer zusammen stehen und dürfen nicht getrennt werden, da sonst der Sinnzusammenhang verloren geht.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Autor: Andreas Kraneis
© 2003